Holzschädlinge

Da ist doch der Wurm drin!

Klingt niedlich, ist aber bei Liebhabern von antiken Holzmöbeln und Holzgewerbetreibenden nicht gerne gesehen: der Holzwurm.

Und was sich da durch unsere Kleiderschränke, Dachbalken oder Kaminholz-Lager frisst, ist auch überhaupt kein Wurm. Bei dem Holzschädling, der nur im Volksmund „Holzwurm“ oder auch „Totenuhr“ genannt wird, handelt es sich eigentlich um einen Käfer, genauer, um die Larven einer Käferart. Und es gibt auch nicht nur den einen, sondern verschiedene Arten und Unterarten, die es auf ganz verschiedene Hölzer und Holz-Beschaffenheiten abgesehen haben.


Die häufigsten heimischen Arten der Holzschädlinge

In Europa sind besonders der Hausbockkäfer (eine Unterart der Bockkäfer-Gattung) und der gemeine Nagekäfer bekannt. (Gemein steht hier übrigens nicht etwa für bösartig - auch wenn das für Betroffene durchaus Sinn ergibt - sondern für gewöhnlich.) Diese beiden Arten befallen am liebsten Trockenholz, sei es gelagertes Holz wie Brennholz und Baumaterial, oder verarbeitetes Holz in Möbeln und Gebäuden. Wohingegen die meisten anderen holzfressenden Käferarten, unter anderem der Bohrkäfer, die Termite, die Holzwespe oder der Diebskäfer, für Mobilar oder Gebälk keine Gefahr darstellen. Die genannten Arten vergehen sich entweder nur an bestimmten tropischen Holzarten, ausschließlich Frisch- oder Feuchtholz oder halten sich nur kurze Zeit im Holz auf und legen ihre Eier woanders ab. Einzig der Splintholzkäfer kann hier noch erwähnt werden, der sich besonders auf Importhölzer und wenige einheimische Laubhölzer spezialisiert hat.


Weichholz bevorzugt

Die, für unser Holz gefährlichen, hier ansässigen Holzschädlinge fühlen sich nur unter ganz bestimmten Umständen wohl. Frisch geschlagenes Holz wird von ihnen nicht befallen. Es darf aber auch nicht zu trocken sein. Der Hausbockkäfer (fälschlicherweise oft auch Holzbockkäfer genannt) hat eine Vorliebe für werktrockene, eher weiche Nadelhölzer und besonders für das nährstoffreiche Splintholz (die junge Holzschicht unterhalb der Rinde). Der Käfer meidet altes, sehr trockenes Holz oder Kernholz (das innere, reifere Holz eines Stammes). Er ist also weniger für antike Möbel, als für neuwertige Weichholzmöbel, sowie für Bodenbeläge, Bretter und Gebälk in Neubauten eine Gefahr, in welchen heutzutage die weniger hochwertigen Splinthölzer verwendet werden.


Nussbaum, Kirsche oder lieber Mahagoni?

Auch der gemeine Nagekäfer bevorzugt eine Holzfeuchte über 10% um seine Larven dort abzulegen und gedeihen zu lassen. Er fühlt sich aber in den härteren Laubhölzern genauso wohl wie in weichen Nadelhölzern. Egal ob Esche, Nussbaum, Kirschbaum oder Mahagoni - nur dem sehr harten Kernholz von Eichen, Kiefern, Lärchen und Robinien rückt er nicht zu Leibe. Wenn dann das Holz weder frisch geschlagen ist, noch besonders trocken lagert, ist es für die Eier und Larven des Käfers der optimale Lebensraum. Besondere Gefahrenzonen für einen Befall des Nagekäfers sind also Brennholz-Lager oder Möbel in ungeheizten Lagerräumen, Fluren, Kellern, Dachböden oder offenen Verschlägen im Außenbereich. Oft sind auch alte Holzkunstwerke und Antiquitäten in Kirchen, Schlössern und Museen betroffen, da hier die Räumlichkeiten kaum geheizt werden.


Wenig Gefahr für antike Möbel

In beheizten Wohngebäuden oder Ladengeschäften kommt es jedoch üblicherweise selten zu hartnäckigem Befall, weiß Antiquitätenhändler Meyer, der täglich mit dem Ankauf von Antiquitäten zu tun hat. Aber Achtung: Haben Sie Antiquitäten, Bauholz oder Feuerholz neu erstanden, bringen Sie sich eventuell die Schädlinge mit ins Haus! Achten Sie also beim Kaminholz kaufen und beim Kauf von antiken Möbeln darauf wie die Stücke gelagert wurden, und fragen Sie den Antiquitätenhändler oder Holzhändler Ihres Vertrauens nach eventuell eingesetzten Vorsorgemaßnahmen gegen Holzschädlinge. Zwar würden die mitgebrachten Tiere im Klima Ihrer Wohnung vermutlich nicht lange überleben, sie suchen sich unter Umständen aber eine besser geeignete Umgebung und könnten im Keller, auf dem Dachboden oder im Treppenhaus fündig werden.


Im Fall eines Befalls

Wenn man einen Befall seines Hauses oder seiner Möbel durch Holzschädlinge vermutet, sei es durch mehlige Spuren, schabende Geräusche oder Sicht eines oder mehrerer Insekten, heißt es immer noch nicht, dass dem hochwertigen, empfindlichen Holz mit der Chemiekeule zu Leibe gerückt werden muss. Selbst ausgetretenes Holzmehl kann schon alt sein, und durch Erschütterungen heraus rieseln. Am besten holt man einen Fachmann dazu, der dann entscheiden kann ob ein Befall besteht und um welche Tiere es sich handelt, sowie welche Maßnahmen dagegen eingesetzt werden können.